Sucht kennt keine Altersgrenzen
Zu diesem Thema ludt die Landesstelle für Suchtfragen (LSSH) gemeinsam mit dem Suchthilfezentrum Schleswig am 19. Januar zu einer landesweiten Tagung in den Bürgersaal des Kreishauses Schleswig, Flensburger Straße 7, ein.
Die Referenten thematisierten ethische, fachliche und rechtliche Fragestellungen und gaben einen Überblick über gute Praxismodelle sowie Entwürfe für zukünftige Herangehensweisen.
„Etwa 1 Millionen Menschen über 60 Jahre nehmen potentiell suchterzeugende Beruhigungs- oder Schlafmittel“, erklärt Suchttherapeut Hans-Wilhelm Nielsen. Er beobachtet die Entwicklung mit Sorge: „Was nur wenige wissen, ist, dass gerade Medikamente aus der Klasse der Schlaf- und Beruhigungsmittel suchterzeugend sind.
Die Gefahr einer Sucht steigt schon nach vier Wochen der Einnahme an und erhöht die Gefahr für Unfälle. Die Nebenwirkungen sind erheblich. Alkohol verstärkt die Wirkung noch. Pflegebedürftigkeit tritt dann oft Jahre früher ein, als eigentlich notwendig wäre“, erklärt der Leiter des Suchthilfezentrums Schleswig
"Oft ist auch gerade der Eintritt in eine Pflegeeinrichtung ein kritischer Moment“, hebt Dr.rer.nat. Anke Bauer, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Fachkliniken Nordfriesland, hervor. „Studien haben gezeigt, dass Bewohner von Seniorenheimen zu 22 Prozent Beruhigungs- oder Schlafmittel erhalten. Das ist viermal so viel wie in der Bevölkerung über 60 Jahre, die zu 5 Prozent diese Mittel einnehmen. Aber auch das ist noch zu hoch.“
„Wahrnehmung schulen und Beteiligte fortbilden“, dass ist das Rezept der Fachleute gegen diese Entwicklung. In einem Bundesmodellprojekt schult das Suchthilfezentrum Schleswig in Kooperation mit der Ambulanten Pflege Angeln, der DIAKO Flensburg und dem Blauen Kreuz der Evangelischen Kirche, Fachkräfte im Norden Schleswig-Holsteins zum Thema Sucht im Alter.
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